Miet - und Nachbarschaftskonflikte

"Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt" ( F. Schiller )


Nachbarn kann man sich nicht aussuchen, sie haben aber, ob sie es wollen oder nicht, eine soziale Beziehung zueinander. Dabei können oft scheinbar harmlose Vorfälle eskalieren und zu langwierigen und unüberwindbaren Streitverhalten führen.


  • Das Leuchten einer Küchenlampe führt zur Besitzstörungsklage
  • Wegen Sachbeschädigung an einem Tannenreisig wird ein 2-jähriger Prozess geführt
  • Kinderlärm führt zu Anzeigen
  • Bellende Hunde sind Gründe für langwierige Auseinandersetzungen bei Gericht
  • Wäsche am Balkon entzweit die Bewohner eines Miethauses .....

Manche dieser Beispiele mögen skurril und unterhaltsam sein, für die Betroffenen Nachbarn aber auch für Gerichte und Behörden sind diese Auseinandersetzungen, ein grosses, vielschichtiges Problem. Die Normierung, d. h. die Reduktion auf Rechtsfragen, wird der Sache meist nicht gerecht.


Mediation bietet sich bei Miet- und Nachbarschaftskonflikten förmlich an. Die Komplexität der Konflikte, sowohl im emotionalen, rechtlichen und auch psychologischen Bereich, die dauerhafte Beziehung zwischen den Betroffenen und die überlastung und überforderung der Gerichte  bieten vielfach keine einfache und rasche Lösungsmöglichkeit. Daher finden viele Nachbarschaftsstreitigkeiten  durch Mediation eine raschere und dauerhaftere Regelung.


Im Beispiel wird eine der Hauptaufgaben eines Mediators/In deutlich, nämlich hinter festgefahrenen Positionen zu den Bedürfnissen der Streitparteien zu gelangen. Dies sind meist entscheidende Wendepunkte in einer Mediation, die oft erst die Basis für klärende Gespräche schaffen.



Fallbeispiel:


Eine Mutter von 3 Kindern, welche in einem Mietshaus lebt, wendet sich an eine Mediatorin, da sich die unter ihr wohnende Hausbewohnerin vom Kinderlärm belästigt fühle.Die Mediatorin macht der Kindesmutter den Vorschlag, sie zusammen mit ihrer Nachbarin zu einem gemeinsamen Gespräch einzuladen. Die Mediatorin nimmt in diesem Fall Kontakt mit der 70jährigen Nachbarin auf und lädt sie telefonisch zum gemeinsamen persönlichen Gespräch ein. Beide Streitparteien erschienen bei der Mediatorin, beide hatten einen gewissen Leidensdruck und beide waren sehr emotional geladen. Beide waren nicht mehr in der Lage miteinander zu kommunizieren, ohne sich gegenseitig verbal anzugreifen, es hatte sich offenbar schon einiges angesammelt und die Aggression schlug sich auch deutlich im Gesprächston, in der Lautstärke und im gegenseitigen Umgang nieder.


Die Mediatorin ließ diesen Emotionen einen gewissen Raum, brachte sich aber immer wieder - in diesem Falle auch sprachlich gewichtig - ein, um den Streit nicht eskalieren zu lassen. Danach versuchte die Mediatorin wechselseitig die Positionen der Konfliktparteien aufzubrechen, um zu den dahinterstehenden Bedürfnissen, Kränkungen, Mißverständnissen zu gelangen. Dies war der Wendepunkt im Mediationsprozess. Sowohl der Umgangston als auch das Gesprächsklima veränderte sich und die Mediatorin konnte Punkt für Punkt bei der Klärung der Mißverständnisse und Benennen der Anliegen behilflich sein.


Am Ende der der 2-stündigen Sitzung wurde von beiden Konfliktparteien, die von ihnen ausgehandelte Vereinbarung schriftlich festgehalten. Abschließend tauschten beide Parteien ihre Telefonnummern aus und waren der Meinung, in Zukunft ihre Konflikte direkt besprechen und klären zu können.